29.06.2016

Nachruf Professor Manfred Hegger

Prof. Manfred Hegger ein Pionier des nachhaltigen Bauens ist verstorben

In seiner Abschieds­vorlesung an der Technischen Universität Darmstadt vor gerade mal zwei Jahren sagte Manfred Hegger: „Ich schaue gerne nach vorne, auf die Zukunft des Bauens, der Architektur, der Lehre und der Forschung.“ Rückblicke seien nicht seine Sache betonte er und so stellte er sich immer wieder die Frage: wie könnte eine zukunfts­fähige Gesellschaft und das Bauen für sie aussehen?

Vor diesem Hintergrund widmete sich Manfred Hegger dem energie­effizienten und nachhaltigen Bauen, das seiner Meinung nach eine zentrale Aufgaben­stellung des gesellschaft­lichen Paradigmen­wechsels, gekenn­zeichnet von Klimawandel und knapper werdenden Ressourcen, ist.

Seit 1980 führte er gemeinsam mit seiner Frau Doris Hegger-Luhnen und Günter Schleiff das Büro HHS Planer + Architekten in Kassel. Erste international­e Aufmerk­samkeit erlangte er mit seinem Büro in den 90er Jahren mit dem Bau der Fortbildungs­akademie Mont Cenis in Herne. Das Projekt – als Teil der international­en Bau­ausstellung Emscher Park – entstand in Zusammen­arbeit mit den französischen Architekten Françoise Hélène Jourda und Gilles Perraudin. 

2001 übernahm er den Aufbau des Fachgebiets Entwerfen und Energie­effizientes Bauen im Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt. Das Fachgebiet trug – so der Präsident in der Festschrift zum 10-jährigen Bestehen desselben – dazu bei, dass die TU Darmstadt als Leuchtturm in der Energie­forschung geschätzt und nachgefragt wird. Diese Sichtbarkeit auch auf international­em Niveau erlangte Manfred Hegger nicht zuletzt durch seinen zweimaligen Erfolg zusammen mit seinen Studierenden und Mitarbeitern beim Solar Decathlon in den USA. 

Auch die jüngsten Projekte, die in seinem Büro entstanden, erreichten viel nationale und international­e Anerkennung. Dabei sind insbesondere der Energiebunker in Hamburg, ein im Rahmen der International­en Bau­ausstellung umgebauter Flakbunker, und das Aktiv-Stadthaus, das Bundes­bau­ministerin Hendricks bei seiner Eröffnung im Jahr 2015 als das weltweit größte Plusenergie­gebäude bezeichnete, zu nennen. 

Was bleibt, ist sein einzigartiges Lebenswerk als Pionier des energie­effizienten und nachhaltigen Bauens, das sich nicht allein auf seine Arbeit im Büro beschränkte, sondern das sich durch sein Schaffen am Fachbereich Architektur und die Zusammen­arbeit mit den Studierenden in die ganze Welt verbreitete. Trotz seiner langjährigen Erfahrung blieb er immer neugierig und hat sich selbst als Lernender unter Lernenden verstanden. Immer wieder betonte er, welches Privileg es sei forschen zu dürfen; er bezeichnete die Forschung als bezahltes Lernen.

Mit ihm verlieren wir einen heraus­ragenden Architekten und Wissenschaft­ler, der seine Mitarbeiter stets zu motivieren und für seine Ideen zu begeistern wusste. Die Gesellschaft braucht Vorbilder, war einer seiner Leitsätze und auch wenn er damit nicht sich selbst meinte, wird er für uns immer ein solches bleiben. Manfred Hegger hatte noch viel vor, er  verstarb – viel zu früh – nach kurzer, schwerer Krankheit am 29. Juni 2016.

 

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